8 Wochen
Es ist schon sehr bemerkenswert, dass acht Wochen im noch jungen Leben der Welpen eine so große Rolle spielen:
In diesen drei Phasen passieren elementare Dinge, die das Wesen des Welpen maßgeblich beeinflussen. Läuft dabei etwas schief, hat der Hund sein ganzes Leben lang darunter zu leiden. Die ersten 16 Wochen liegen dabei in der Verantwortung des Züchters und somit bei uns, die sich daran anschließenden acht Wochen in Ihrer.
Die neuesten Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass es keine Prägephase gibt, sondern nur sensible Phasen. Dies sind Zeitabschnitte, in denenen gemachte Erfarungen eine besonders nachhaltige Wirkung haben. Der Einfachheit halber benutzen wir aber weiterhin den gängigen Begriff Prägung, wohlwissend, dass dies wissenschaftlich nicht korrekt ausgedrückt ist.
- Bis zur Geburt
- 8 Wochen bei uns
- Die Prägephase bei Ihnen
Unsere Vorbereitungen fangen schon Monate vor dem eigendlichen Deckakt mit der Auswahl des passenden Rüden an. Entweder ist uns schon ein Rüde auf einer der Ausstellungen aufgefallen oder wir ackern die Deckrüdenliste unseres Zuchtverein durch. Ahnentafeln werden verglichen, Informationen über den Besitzer eingeholt und der Rüde auf die gewünschten Eigenschaften, wie dunkles Pigment und Charakter, hin überprüft. Auch seine bisher gezeugten Nachfahren sind für uns von Interesse. Auch muß der Bursche zu unserer Hündin passen. Da hat unser Zuchtverein genaue Vorstellungen was Größe und Gewicht angeht. HD und ED frei solte er auch noch sein. Und Gesund, und Schön, und und und. In der Tat ist es gar nicht so trivial den passenden Rüden zu finden, da der Genpool begrenzt ist und wir möglichst keinerlei Verwandschaftsverhältnisse haben wollen, um Inzucht zu vermeiden. Da muß man auch mal weitere Strecken fahren (nach Holland z.B.).
Haben wir einen passenden Rüden gefunden, müssen wir noch auf den passenden Augenblick warten. Ist unsere Hündin dann läufig, wird mit einer Progesteronwertbestimmung der richtige Decktag ermittelt. Schließlich wollen wir nicht umsonst durch die Landschaft fahren. Spielt das Wetter, besonders im Winter, auch noch mit, kann es losgehen.
Der Deckakt als solcher hat mit Romantik nicht viel zu tun. Auch Sympathie spielt keine so große Rolle wie man vielleicht denken könnte. Und mit Spass an der Sache hat es bei den Hunden auch nichts zu tun. Dafür um so mehr mit Hormonen, Pheromonen und Instinktsicherheit. Wenn alles gut geht, brauchen wir nicht allzu viel machen und warten, bis sich die beiden von einander lösen. Das kann durchaus seine 30 Minuten dauern. Und dann beginnt das bange Warten.

Erst nach vier Wochen kann man mit einer Ultraschall Untersuchung feststellen ob der Deckakt erfolgreich war oder nicht. Der Hündin sieht man es nicht an. Auch ist ihr Verhalten bis dahin vollkommen normal. Ungeachtet dieser Unsicherheit versuchen wir die Hündin schon jetzt etwas zu schonen. War der Deckakt erfolgreich, beginnt für uns die Zeit, in der wir auf unseren Liebling ganz besonders aufpassen. Hündinen haben die Fähigkeit bei Stress, Krankheit oder sonstiger Gefahr, bereits angelegte Föten wieder aufzulösen. Deswegen vermeiden wir in dieser Zeit den Kontakt zu fremden Hunden. Mit fortschreitender Trächtigkeit ändert sich auch der Gemütszustand der werdenden Mama. Einerseits werden immer mehr Schmuseeinheiten eingefordert, andererseits wird sie den anderen Hunden gegenüber immer zickiger. Ein gutes Zeichen!
Ca. zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin richten wir den Wurfraum her. Er wird gründlich gereinigt, desinfiziert und die Wurfkiste aufgebaut. Unsere Hunde inspezieren das alles ganz genau und veranstalten Probeliegen in der Wurfkiste. Auch die Rotlichtlanpe muß mal ausprobiert werden. Am Tag der Geburt wird die Hündin zunehmend rastlos. Sie beginnt sich ein sicheres Plätzchen zu suchen. Unsere Aufgabe besteht nun darin, sie davon zu überzeugen, dass die Kuhle unter dem Rhododendron nicht geignet ist, darin Welpen zu gebähren. Dezente Hinweise auf die Wurfkiste werden dann schließlich angenommen und sie macht sich daran, es sich mit Scharren in den ganzen Laken und Handtüchern bequem zu machen.
Die Geburt findet in der Regel nachts während ihrer Ruhephase statt. Ob es nun schon um 20 Uhr losgeht oder erst gegen Morgen ist auch für uns nicht absehbar. Aber Sie können es ja über die Webcam im Internet mitverfolgen und mit uns wach bleiben. Bei der Geburt selbst können wir nicht viel helfen. Wir schauen, dass die Fruchtblase möglichst schnell geöffnet wird, die Winzlinge gut abgenabelt sind und das sie rechtzeitig mit der Atmung anfangen. In der Not helfen wir auch mit, öffnen die Fruchtblase mit den Fingern, drücken wenn es sein muß auch die Nabelschnur fest zu und wenn das Würmchen nicht Atmen will, bekommt es einen Cognac zum Riechen. Dieser Geruch löst einen Reflex, ähnlich unserem Klapps auf den Po des Neugebohrenen Babys, aus. Und atmet das Kleine schließlich zufrieden, wandert der Inhalt des Gläschen in unseren Hals.
Gleich nachdem die Hündin mit den Säubern des Welpen fertig ist, wird dieser von uns genauer untersucht, das Geschlecht bestimmt, gewogen und mit Lebensmittelfarbe unverwechselbar markiert. Über jeden Welpen wird genau Buch geführt. In den ersten vier Wochen werden die Kleinen täglich mindestens zweimal gewogen. Nur so können wir eine eventuelle Unterernährung rechtzeitig erkennen und entsprechend zufüttern.
Um den kleinen Weißen einen guten Start ins Leben zu gewährleisten, wachsen sie in einer Gemeinschaft mit den älteren Tieren auf. Von der Oma bis zur Cousine sind alle Altersstufen vorhanden. Nur der Papa fehlt. In dieser Umgebung lernen sie von Anfang an artgerechtes Verhalten und lernen spielerisch, sich mit anderen Hunden auseinanderzusetzen, sprich die Hundesprache. Wenn die Welpen uns nach der 8. Woche verlassen, haben Frau Mama und die gesamte Verwandtschaft, sie auf ein Leben mit Menschen und Artgenossen vorbereitet und Ihnen beigebracht, sich artgerecht zu verhalten. Die Phase, bis zu der sich der junge Hund ohne Schwierigkeiten auf das Leben vorbereiten lässt, ist kurz: 8 Wochen beim Züchter und ca. 8 Wochen beim neuen Besitzer. Was hier "schief geht", lässt sich später schwer korrigieren. Alle positiven aber auch negativen Erfahrungen prägen den Charakter des Welpen. Aus diesem Grund legen wir Wert auf eine optimale Betreuung in der 8wöchigen Phase in unserem Haus, um eine gute Prägung zu gewährleisten.
Die Kleinen bleiben in den ersten zwei Wochen in der Wurfkiste unter intensiver Betreuung durch die Frau Mama. Bis sie die Augen öffnen, ist ihre Haupttätigkeit fressen und schlafen. Bereits hier erfahren sie körperliche Nähe von Menschen, Liebkosungen und Untersuchungen, in Form von täglichem Wiegen etc. Nach dem Öffnen der Augen wird die Wurfkiste inspiziert, der Bewegungsapparat wird erprobt, denn sich auf den Beinen halten ist eine schwierige Sache. Mehrfach täglich wird die Wurfkiste gereinigt, denn von Stubenreinheit sind wir noch weit entfernt.
Nach ungefähr 3 Wochen verlassen die Welpen die Wurfkiste und erkunden den Wurfraum, der dann mit Sägespänen und frischem Heu ausgelegt ein warmes Heubad ermöglicht. Und duften tut es auch wunderbar. Erste Spielzeuge werden wahrgenommen und man versucht schon, dem Geschwisterchen ein Spielzeug wegzunehmen. Geräusche werden jetzt wichtig, denn das Erlernen von unterschiedlichen Geräuschen wirkt der Schreckhaftigkeit entgegen. Wir stellen ein Radio in den Raum und erproben erste Geschmäcker, von Klassik bis zu französischen Chansons. Auch können unterschiedliche Stimmen (Nachrichten) jetzt wahrgenommen werden. Und wie immer, erhalten die Kleinen Streicheleinheiten und Bauchmassagen. Alles, was die Welpen nun in dieser Frühphase kennenlernen, vermindert eine spätere Angst. Sanfte Massagen lassen die Welpen entspannen und schlafen. Langsam können auch Besucher zugelassen werden. In den ersten zwei bis drei Wochen erhalten unsere Welpen noch keinen Besuch, da ihr Immunsystem noch nicht ausreichend ist. Nur der engste Kreis darf zu den Welpen.
Die Prägung auf den Menschen ist eine äußerst wichtige Sache. In den nächsten Wochen tragen wir dafür Sorge, dass die Welpen alle Arten von Menschen kennenlernen: Kinder, Frauen, Männer, alte Menschen, Menschen mit Hut, Regenschirm, Mantel, unterschiedliche Kleidung und Farbe. Dieser Kontakt der Besucher zu den Hunden, ob groß oder klein, soll die Bindung zum Menschen verstärken und aus ihnen angstfreie Hunde machen. Nach und nach erobern die Welpen nun Haus und Hof/Garten. Jeden Tag werden sie mutiger und lernen unterschiedliche Untergründe wie Steine, Sand, Gras, Pfützen aber auch Parkett und Fliesen zu bewältigen. Das Spielzeug wird auch größer. Beliebt sind das Bällebad, ein Tunnel, aber auch eine mit Luft gefüllte Noppenfolie wird gern genommen. Dieses Verpackungsmaterial hat zwei Effekte: zum einen knistert und kruschelt es und weht im Wind, so dass die Welpen schon früh lernen mit umher gewehten und knisternden Materialien zurecht zu kommen. Sie lieben es aber auch, sich auf die mit Luft gefüllten Kammern zu werfen und weich zu fallen. Jedweder Spiel- und Erkundungstrieb wird von uns unterstützt. In der Wohnung lernen sie Geräusche von Fernseher, Wasch- und Spülmaschine aber auch den Staubsauger kennen. Am liebsten jedoch prügeln sie sich auf der Matratze von Oma Nicky.
Wenn die Welpen uns verlassen, sind sie umfassend sozialisiert. Nur eines haben sie nie kennengelernt: Das Alleinsein. Und hier müssen die neuen Besitzer nun tätig werden. Lassen Sie die Kleinen am Anfang nur kurz allein. Der Welpe muss erst einmal Vertrauen zu Ihnen fassen, das ist Ihre wichtigste Aufgabe. Der Welpe kommt in eine ihm unbekannte Welt mit neuen Gerüchen, neuen Menschen und vor allem: ohne sein Rudel. Das muss das kleine Wesen erst einmal verkraften. Hier sind Sie gefragt. Vermitteln Sie, dass Sie nun sein Schutz sind, ohne seine Angst zu bestätigen. Würden Sie den Welpen nun übermäßig betüddeln, würde er glauben, dass seine Angst berechtigt ist. Sie erziehen sich einen ängstlichen Hund und diese Angst ist nur durch langwieriges Training wieder zu reduzieren. Überfordern Sie das Hundebaby auch nicht. Geben Sie Ihrem Hund Zeit sich zu entwickeln, forcieren Sie nichts. Glauben Sie mir: Alles kommt zu seiner Zeit.
Bitte machen Sie auch keine Party, wenn der Welpe nach Hause kommt. Auch das überfordert ihn. Wir Menschen meinen es gut, wenn wir sein Köpfchen tätscheln. Für den Hund ist dies aber keine akzeptable Behandlung. Stellen Sie sich vor, jemand, der Ihnen fremd ist und sehr groß tatscht Ihnen pausenlos auf dem Kopf herum. Das ist unschön und der Welpe wird Angst entwickeln. In der Hundesprache ist diese Drücken auf Kopf und Nacken nämlich eine Geste der Unterwerfung. Und wer will sich schon freiwillig jemandem vertrauensvoll anschließen, der einen pausenlos unterdrückt. Berühren Sie lieber die Brust und die vorderen Beinseiten, auch die Seiten der Schnauze gehen, aber bitte niemals über den Welpen greifen, ihn frontal ansehen oder gar anstieren, all das macht Angst.
Was noch ganz elementar ist: Es gibt immer noch selbsternannte Hundetrainer, die die Ansicht verbreiten, dass der Welpe zur Strafe am Nacken gepackt und geschüttelt werden sollte. Tun Sie das nie! In der Natur ist das das Totschütteln von Beute. Der Welpe bekommt einen Schreck fürs Leben und hat als Antwort für Sie eine tiefgreifende Angst vor Menschen. Dies zu korrigieren, erfordert Zeit und Kraft und lässt sich vielleicht nie wieder ändern. Begründet wird das Ganze noch mit dem vermeintlichen Wissen, dass tue die Hundemutter auch beim Strafen. Das tut sie eben nicht! Keine unserer Hündinnen, hat dieses Verhalten jemals gezeigt. Ein solch barbarisches und brutales Vorgehen lehnen wir zutiefst ab. Und wieder sage ich: Lassen Sie dem Welpen Zeit, sich zu entwickeln. Die Synapsen müssen sich im Gehirn erst bilden. Jedwede Strafe ist vollkommen sinnlos und fällt auf uns dumme Menschen zurück, wenn die für die erwünschte Aktion zuständigen Synapsen noch gar nicht ausgebildet sind: seien es Stubenreinheit (bitte auch kein Stupsen in die Fäkalien, ist ekelhaft und läßt jedes Maß an Zivilisation vermissen), das Sitzmachen oder andere.
Und hat sich der Welpe doch einmal heftig durch eine Fehlzündung eines Autos erschreckt, dann heißt es mit viel Liebe das Selbstbewußtsein stabilisieren, mit Leckerli gegenkonditionieren, die Angst durch viel Bewegung und entspannende Massagen bewältigen. Und bitte gehören Sie nicht zu den Menschen, die sagen: Da muss der Welpe durch, der muss mit seiner Angst konfrontiert werden. Dadurch machen sie alles nur noch schlimmer. Fragen Sie um Rat bei Ihrem Züchter oder ihrem hoffentlich kompetenten Hundeverein mit seinen Trainern. Literatur zu diesem Thema gibt es auch. Siehe Fragen — Literatur.
Die ersten 8 Wochen in Ihrem Haus sind die wichtigsten überhaupt in ihrem Verhältnis zum Hund. Versuchen Sie Negativereignisse zu vermeiden, aber unterstützen Sie auch nicht seine Angst. Leider neigen Frauen oftmals dazu, ganz in menschlichem Habitus, den Hund zu verzärteln, zu vermenschlichen und schaden ihm und seinem Selbstbewußtsein erheblich. Daher mein Rat: Reißen Sie sich zusammen und denken sie hündisch!























